Wissensbereich
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Ein Balkonkraftwerk (auch Mini-PV- oder Steckersolargerät genannt) ist eine kleine Photovoltaikanlage, die auf dem Balkon, der Terrasse, im Garten oder an der Hauswand installiert werden kann.
Es erzeugt Solarstrom, der direkt im eigenen Haushalt verbraucht wird und so den Bezug von Strom aus dem öffentlichen Netz reduziert.
☀️ Solarmodul → 🔌 Mikrowechselrichter → 🏠 Hausnetz / Geräte
So funktioniert es
- Die Solarmodule wandeln Sonnenlicht in Gleichstrom um.
- Ein Mikrowechselrichter verwandelt diesen Gleichstrom in haushaltsüblichen Wechselstrom.
- Der erzeugte Strom fließt in das Hausnetz und wird von laufenden Geräten direkt genutzt.
Vorteile für Nutzer:innen
- Reduzierung der Stromkosten durch direkten Eigenverbrauch.
- Einfacher Einstieg in die Solarenergie ohne aufwendige Baumaßnahmen.
- Aktiver Beitrag zum Klimaschutz durch geringeren Netzstromverbrauch.
- Geringer Wartungsaufwand im laufenden Betrieb.
Typische Teile
- PV-Module: wandeln Sonnenlicht in elektrischen Strom (Gleichstrom) um.
- Mikrowechselrichter: macht daraus nutzbaren Haushaltsstrom (Wechselstrom).
- Montagesystem: sorgt für eine sichere Befestigung am Balkon, an der Wand oder auf dem Dach.
- Kabel & Stecker: verbinden die Anlage und ermöglichen den Anschluss an den Haushalt (z. B. Schuko oder Wieland).
- Stromzähler: misst Strombezug und ggf. Einspeisung automatisch mit.
- Optional: Speicher/Batterie speichert Überschuss für später (z. B. abends).
- Optional: Monitoring zeigt Ertrag, Verbrauch und Einsparung an.

Worauf achten beim Kauf
- Zertifizierungen: z. B. CE- und VDE-Konformität.
- Passende Halterung: muss zu Geländerform und Windlast passen.
- Wechselrichter-Leistung: sollte zur Modulleistung abgestimmt sein.
- Robuste Qualität: wetterfeste Materialien und saubere Kabelführung.
- Anschlussart: Schuko oder Wieland, abhängig vom Setup und Empfehlungen.
Leistung
- Pro Haushalt sind bis zu 800 W Einspeiseleistung erlaubt – entscheidend ist dabei die Leistung des Wechselrichters.
Anmeldung & Registrierung
- Den Netzbetreiber informieren (meist reicht ein kurzes Online-Formular).
- Im Marktstammdatenregister (MaStR) registrieren – das ist verpflichtend.
Genehmigung
- In der Regel ist keine separate Genehmigung nötig, solange die Anlage normgerecht installiert und betrieben wird.
Für Mieter:innen
- Grundsätzlich ist die Nutzung meist möglich, besonders bei rückbaubarer Montage.
- Eine kurze Abstimmung mit Vermieter:in oder Hausverwaltung ist sinnvoll, vor allem bei sichtbarer Montage (z. B. Fassade).
Steuern
- Bei privater Nutzung fällt in der Regel keine Einkommensteuer an.
- Für viele PV-Komponenten gilt 0 % MwSt, abhängig vom konkreten Fall.
Wie viel Strom ein Balkonkraftwerk tatsächlich erzeugt, hängt stark vom Standort und den örtlichen Gegebenheiten ab.
Wichtige Einflussfaktoren
- Standort (Region): In südlicheren Regionen ist die Sonneneinstrahlung im Jahresverlauf meist höher als im Norden.
- Ausrichtung: Eine Südausrichtung liefert in der Regel den höchsten Ertrag, Ost- oder Westausrichtungen etwas weniger.
- Neigung & Winkel: Der richtige Neigungswinkel verbessert die Stromausbeute über das Jahr.
- Verschattung: Schatten durch Geländer, Bäume oder Nachbargebäude kann den Ertrag deutlich reduzieren.

Typische Jahreserträge (800 W Anlage)
- Sehr gute Bedingungen (Süd, kaum Schatten): etwa 700–800 kWh pro Jahr.
- Mittlere Bedingungen (Ost oder West): ungefähr 550–700 kWh pro Jahr.
- Starke Verschattung: der Ertrag kann deutlich darunter liegen.
Wichtig: Theorie ≠ Realität
- In der Praxis liegen die tatsächlichen Erträge oft bei etwa 70–85 % des theoretischen Idealwerts, z. B. durch Temperaturverluste, Wechselrichterverluste, Kabel und zeitweise Verschattung.
Eigenverbrauch beschreibt den Anteil des erzeugten Solarstroms, den du direkt selbst im Haushalt nutzt. Je höher dieser Anteil ist, desto größer fällt deine Stromkostenersparnis aus.
Typische Eigenverbrauchsanteile
- Ohne Speicher werden meist etwa 20–40 % des Solarstroms direkt selbst genutzt.
- Bei Homeoffice oder generell viel Anwesenheit tagsüber liegt der Eigenverbrauch oft höher.
- Mit Speicher oder gezielter Lastverschiebung (z. B. Waschmaschine mittags) sind bis zu 50–70 % möglich.
Beispielrechnung
- Jahreserzeugung: ca. 750 kWh.
- Eigenverbrauch: 35 % → rund 260 kWh werden selbst genutzt.
- Bei einem Strompreis von 0,40 €/kWh ergibt das eine Ersparnis von etwa 100 € pro Jahr.
Tipps für mehr Eigenverbrauch
- Stromintensive Geräte möglichst tagsüber betreiben.
- Timer oder smarte Steckdosen zur automatischen Steuerung nutzen.
- Ein Speicher kann sinnvoll sein, wenn der Eigenverbrauch deutlich erhöht wird.
Typische Gesamtkosten
- Die Anschaffungskosten liegen meist zwischen 400 und 1.000 €, abhängig von Qualität, Modulleistung, Halterung und Zubehör.
- Einfachere Sets ohne Speicher sind günstiger, hochwertige Systeme entsprechend teurer.
Lebensdauer der Komponenten
- Solarmodule haben in der Regel eine Lebensdauer von etwa 20–25 Jahren.
- Mikrowechselrichter halten oft kürzer und müssen nach etwa 8–12 Jahren eventuell ersetzt werden.
Amortisation (grob geschätzt)
- Viele Balkonkraftwerke amortisieren sich nach etwa 7–11 Jahren.
- Durch Förderungen von Städten oder Bundesländern kann sich die Amortisationszeit verkürzen.

Warum Eigenverbrauch wichtiger ist als Einspeisung
- Selbst genutzter Solarstrom spart dir den vollen Strompreis pro Kilowattstunde.
- Die Vergütung für eingespeisten Strom ist deutlich niedriger und wirtschaftlich weniger relevant.
Solarstrom verursacht über seinen gesamten Lebenszyklus deutlich weniger CO₂ als Strom aus dem öffentlichen Netz.
Daumenregel
- Netzstrom: ca. 0,35 kg CO₂ pro kWh
- Solarstrom: ca. 0,05 kg CO₂ pro kWh
- Ersparnis: rund 0,30 kg CO₂ pro kWh

Beispielrechnung
- Jahresertrag: 750 kWh × 0,30 kg CO₂ ≈ 225 kg CO₂ pro Jahr
- Über 20 Jahre ergibt das eine Einsparung von rund 4,5 Tonnen CO₂
Hinweis zur Herstellung (graue Energie)
- CO₂ entsteht bei Photovoltaik vor allem während der Produktion der Module.
- Im laufenden Betrieb arbeitet die Anlage nahezu emissionsfrei und gleicht diesen Aufwand über die Lebensdauer deutlich aus.
Sicherheit zuerst
- Verwende nur geprüfte, zertifizierte Komponenten (z. B. CE/VDE).
- Montiere das System stabil und sturmsicher (Windlast am Balkon beachten).
- Verlege Kabel sauber: keine Quetschstellen, keine Stolperfallen, keine scharfen Kanten.
- Nutze nur wetterfeste Materialien und UV-beständige Kabel für den Außenbereich.
- Wenn du unsicher bist: Installation oder Check durch eine Fachperson durchführen lassen.
Anschluss & Betrieb
- Der Anschluss erfolgt je nach Setup über eine Schuko-Steckdose oder eine Wieland-Einspeisesteckdose.
- Wichtig: Die Anlage muss normgerecht betrieben werden (passender Wechselrichter, Schutzfunktionen).
- Der Solarstrom wird zuerst im Haushalt genutzt, Überschuss kann je nach Zähler/Setup ins Netz fließen.
- Achte darauf, dass Steckdose und Leitungen in gutem Zustand sind (keine lockeren oder überhitzten Steckverbindungen).
Kurz-Checkliste
- Halterung sitzt fest und wackelt nicht.
- Kabel sind geschützt und ordentlich befestigt.
- Stecker sitzt sauber und sicher in der Steckdose.
- Wechselrichter ist gut belüftet und nicht dauerhaft direkter Hitze ausgesetzt.
- Registrierung/Anmeldung erledigt (Netzbetreiber + MaStR).
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk für mich?
- In den meisten Fällen ja – besonders, wenn du tagsüber Strom verbrauchst.
- Ein sonniger, wenig verschatteter Balkon erhöht den Ertrag deutlich.
- Auch bei Ost- oder Westausrichtung kann sich ein Balkonkraftwerk lohnen.
Was passiert bei schlechtem Wetter oder im Winter?
- Bei Wolken und im Winter ist der Ertrag geringer, aber nicht null.
- Über das gesamte Jahr verteilt kann sich die Anlage trotzdem rechnen.
- Im Sommer werden die niedrigeren Wintererträge meist ausgeglichen.
Kann ich ein Balkonkraftwerk als Mieter:in nutzen?
- Ja, das ist in den meisten Fällen möglich.
- Wichtig ist eine rückbaubare Montage ohne dauerhafte Veränderungen.
- Bei Fassadenmontage kann eine Absprache mit Vermieter oder Hausverwaltung sinnvoll sein.
Muss ich mein Balkonkraftwerk anmelden?
- Ja, die Anmeldung ist verpflichtend.
- Du musst dein Balkonkraftwerk beim Netzbetreiber melden.
- Zusätzlich ist eine Registrierung im Marktstammdatenregister (MaStR) erforderlich.
Ist ein Balkonkraftwerk sicher?
- Ja, wenn ausschließlich geprüfte und zugelassene Komponenten verwendet werden.
- Der Wechselrichter schaltet sich automatisch ab, wenn das Netz ausfällt.
- Eine fachgerechte Montage ist wichtig für Sicherheit und Langlebigkeit.
Kann ich mehr als ein Modul anschließen?
- Ja, solange die maximale Einspeiseleistung von 800 Watt eingehalten wird.
- Entscheidend ist die Leistung des Wechselrichters, nicht die Modulanzahl.
Was passiert mit überschüssigem Strom?
- Nicht genutzter Strom fließt zuerst ins Hausnetz.
- Je nach Zähler und Setup kann überschüssiger Strom ins öffentliche Netz gelangen.
- Eine Vergütung ist meist gering, Eigenverbrauch ist wirtschaftlich sinnvoller.
Brauche ich einen speziellen Stromzähler?
- In vielen Fällen kann der vorhandene Zähler weiter genutzt werden.
- Alte Ferraris-Zähler werden vom Netzbetreiber ggf. ausgetauscht.
- Du musst dich in der Regel nicht selbst um den Austausch kümmern.
Die folgenden Quellen wurden zur Erstellung und inhaltlichen Einordnung der Informationen auf dieser Seite genutzt. Sie dienen der Transparenz sowie der weiterführenden Information.
- Umweltbundesamt (2024) - Entwicklung der spezifischen Treibhausgas-Emissionen des deutschen Strommix: https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/entwicklung-der-spezifischen-treibhausgas-emissionen
- Fraunhofer ISE (2024) - Energy Charts (Stromerzeugung / PV-Daten): https://energy-charts.info
- Fraunhofer ISE (2024) - Life Cycle Assessment of Photovoltaic Systems: https://www.ise.fraunhofer.de
- PVGIS (EU Joint Research Centre) - Photovoltaic Geographical Information System: https://joint-research-centre.ec.europa.eu/pvgis_en
- Deutscher Wetterdienst (DWD) - Climate Data Center (Strahlungsdaten): https://www.dwd.de/EN/ourservices/cdc/cdc.html
- Deutscher Wetterdienst (DWD) - Testreferenzjahre (TRY-Daten): https://www.dwd.de/DE/leistungen/testreferenzjahre/testreferenzjahre.html
- Solargis - Solar Resource Maps & GIS-Daten (Deutschland): https://solargis.com/resources/free-maps-and-gis-data?locality=germany
- Bundesnetzagentur & Bundeskartellamt (2024) - Monitoringbericht Strom & Gas: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/Monitoringberichte/monitoringberichte_node.html
- Bundesnetzagentur - Marktstammdatenregister (MaStR): https://www.marktstammdatenregister.de
- BDEW (2024) - Strompreisanalyse Deutschland: https://www.bdew.de/energie/strompreisanalyse/
- BDEW - Standardlastprofile Strom : https://www.bdew.de/energie/standardlastprofile-strom/
- EEG 2023 - Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien (u. a. § 48 Abs. 2): https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2023/
- Verbraucherzentrale (2025) - Leitfaden Mini-Solaranlagen / Balkonkraftwerke: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/energie/erneuerbare-energien/balkonkraftwerk-energie-vom-balkon-14147
Spannend, oder? Viele unterschätzen, wie viel Wissen hinter Balkonkraftwerken steckt.
